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2007-05-24
Die kontrollierte Katastrophe


Die kontrollierte Katastrophe

Alarm im Schmiedegasthaus Gehrke - 127 Einsatzkräfte über unter realistischen Bedingungen

Ausnahmezustand in Riepen: Die Hauptstraße ist gesperrt, Feuerwehrfahrzeuge so weit das Augo reicht. Aus den Fenstern der Schmiedegasthauses Gehrke dringen Rauchwolke, und im Obergeschoss ruft ein kleiner Junge verzweifelt um Hilfe.

Riepen. Zum Glück nur eine Übung, stellen die heraneilenden Schaulustigen und Nachbarn fest. Seit vielen Jahren die erste in dieser Größe, sagt der Pressesprecher der Nenndorfer Feuerwehr, Marco Thiele. Mit einem Großaufgebot rücken die zehn Feuerwehren aus der Samtgemeine an. Beiteiligt sind 127 Einsatzkräfte mit rund 16 Feuerwehr- und zwei Rettungsfahrzeugen in enger Koordination mit der Schnelleinsatzgruppe (SEG) des Roten Kreuzes aus Oberkirchen und der Polizei.

Bei Einsätzen wissen Feuerwehrleute oft nicht, was sie vor Ort erwartet, verdeutlicht Thiele das Ziel. Um im Ernstfall bestmöglich vorbereitet zu sein, trainieren wir verschiedene Situationen. Alles soll so realistisch wie möglich sein. Als echte Alarmübung sind nur die Führungskräfte im Bilde.
Das Szenario: In den Sozialräumen ist ein Brand entstanden, die angrenzenden Räume sind bereits stark verqualmt. Der Rauch zieht durch offen stehende Türen in das Haupthaus direkt auf eine Veranstaltung im Saal zu. Weitere Menschen befinden sich in den Zimmern im Obergeschoss.

Mit diesen Informationen ausgestattet, retten die zuerst am Ort eingetroffenen Feuerwehren Riepen, Ohndorf, Horsten und Bad Nenndorf drei Verletzte aus dem Sozialtrakt, bauen die Wasserversorgung auf und verhindern die Brandausbreitung. Vier Personen können über die Drehleiter aus dem verrauchten Obergeschoss gerettet werden. Nachdem die Gäste aus dem Saal evakuiert worden sind, verhelfen die speziell ausgebildeten Nenndorfer zwei leblose 80 Kilogramm schweren Puppen zu einer butterweichen Landung in der Obhut der Rettungskräfte. Zur Verstärkung alarmiert der Einsatzleiter, Ortsbrandmeister Friedhelm Möller, die Kameraden aus Haste, Helsinghausen-Kreuzriehe, Hohnhorst, Rehren AR, Riehe und Waltringhausen. Die Haster übernehmen die Rettung von drei Personen über das Flachdach. Immer mehr blutende Opfer werden aus dem Gebäude geborgen und von den Sanitätern betreut. Vor der Großübung hat die Feuerwehr Riepen einen detaillierten Einsatzplan für den verwinkelten Bau des Schmiedegasthauses
erstellt. Dieser bewährte sich im Test. Um genug Wasser zu befördern, müssen sechs Fahrzeuge eine Leutung zur 1550 Meter entfernten Rodenberger Aue aufbauen. Der Wasserdruck ist für diese Entfernung o.k., meint Thiele, für eine zweite Leitung fehlen uns Schläuche und Pumpen.

Die erste Manöverkritik nach zwei Stunden Einsatz fällt positiv aus. Feinheiten werden in 14 Tagen nach Auswertung der Aufzeichnungen der Beobachter von der Feuerwehr Beckedorf analysiert. Hausherr Andreas Gehrke bedankt sich für die kontrollierte Generalprobe der –hoffentlich nie eintretenden Katastrophe- mit einer Einladung: Im Ostgarten löschen die nass geschwitzten Einsatzkräfte ihren Durst.



Übung am Schmiedegasthaus: Mittens Drehleiter rettet die Feuerwehr ein Opfer mit schweren Verletzungen aus dem Obergeschoss.